Historisches Foto der Rosenhofsiedlung in Bickendorf mit zentralem Platz
Foto: Werner Mantz; Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Ein blühender Ort für das Gemeinschaftsleben

In dieser Rubrik nehmen wir Dich mit auf Zeitreise und erkunden gemeinsam das historische Köln. Diesmal sind wir wieder in Bickendorf unterwegs und erkunden die Rosenhofsiedlung – auch Bickendorf II genannt.

Baujahr

1923-1931, 1934 und 1939-1940

Architekten

Wilhelm Riphahn

Besonderheit

Kirche im Zentrum

Denkmalschutz

Ja

Der Erste Weltkrieg war vorbei. Doch Inflation, Arbeitslosigkeit und der knappe Wohnraum setzten den Kölnern immer noch zu. Familien lebten dicht gedrängt in engen, dunklen Räumen im Hinterhaus, während zur Straße hin elegante Stuckfassaden die Häuser zierten. Das frühe 20. Jahrhundert war noch geprägt von der Gründerzeit, die Stuck-Ornamente gehörten einfach dazu. Als Wilhelm Riphahn zu dieser Zeit von der GAG den Auftrag erhielt, eine neue Siedlung in Bickendorf zu bauen, schuf er ein schönes Zuhause für viele Kölner, obwohl er gänzlich auf die prunkvolle Architektur der Gründerzeit verzichtete. Stattdessen setzte Riphahn auf Funktionalität, praktische Lösungen und Komfort. Seine Ideen waren für damals revolutionär.

Der Architekt und seine Ideen

Erbaut wurde die neue Siedlung zwischen 1923 und 1940. Es war bereits die zweite Siedlung, die Riphahn für die GAG in Bickendorf realisierte. Das Baumotto für die erste Bickendorfer Siedlung sollte auch für die neue Siedlung gelten: Lich, Luff und Bäumcher – also Licht, Luft und Bäume. Mit ihrem nördlichen Rand grenzte die Siedlung nach Fertigstellung unmittelbar an die erste Siedlung, Bickendorf I.

Riphahn hat die Siedlung durch eine breite Mittelachse gegliedert, die nach mehreren Verengungen und Verbreiterungen am zentralen Platz der Siedlung endete. Dieser Platz wurde „Am Rosenhof“ genannt und war das Kernstück der Siedlung. Damals war es ein einladender und blühend bepflanzter Ort, der der Siedlung zu ihrem Namen verhalf. Die Mehrfamilienhäuser mit ihren etwa 1.121 Wohneinheiten wurden um diesen großen Hof herum an Straßen gebaut, die nicht schnurgerade verliefen. Riphahn gab ihnen leichte Biegungen, damit kein Bewohner vom einen Ende zum anderen Ende der Straße blicken kann. So wirkte die große Siedlung übersichtlich und behaglich und strahlte dörfliche Gemütlichkeit aus.

Insgesamt setzt sich Bickendorf II aus 11 Haustypen zusammen. Dennoch wirkt die Siedlung nicht monoton: Die Kölner Architekten Riphahn und Caspar Maria Grod achteten darauf, die Haustypen immer wieder anders zu kombinieren, und bauten zahlreiche Variationen ein. Bei den ersten am Akazienweg errichteten Häusern wurde noch der Haustyp verwendet, der auch im Grünen Hof Interner Link gebaut worden war. Die ab 1923/24 errichteten Häuser sind schlichter in ihrer Architektur, sie bestehen aus einer Reihung immer gleicher, von Fenstern und einem hervortretenden Treppenhaus gegliederten Typen. Bei den ab 1924 gebauten Häusern werden die Haustypen klarer und ihre Fassade funktionaler gegliedert. Einige Gebäude bekamen eine Loggien-Front. Zudem bekamen einzelne Häuser kubisch geformte Erker, und Riphahn und Grod ließen einige Eckhäuser in runden Pavillons auslaufen.

Und um die Fassade plastischer zu betonen, entwickelten die Kölner Künstler Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert ein Farbkonzept in Gelb und Weiß, das in wechselseitiger Betonung von Fassade und Bauteilen für die gesamte Siedlung angewendet wurde. Während Architekten früherer Jahrgänge einen dekorativen Effekt mit Stuckelementen und Figuren an den Fassaden erzielten, setzte Riphahn auf klare Linien. Die entstehen zum Beispiel durch die Querstreben der Fenster. Übrigens waren auch die Fenster revolutionär. Integriert war hier ein Oberlicht, das sich separat öffnen ließ. Da fast alle Wohnungen jeweils zur Straßenseite als auch zum Innenhof hin Räume und Fenster hatten, war es den Mietern möglich, mit gekippten Oberlichtern ihre Wohnung zu lüften, ohne dabei im Durchzug zu sitzen. Auch heute funktioniert das noch so.

Auch die großzügigen Grünanlagen waren für damalige Zeiten außergewöhnlich: Es gab Vorgärten und Innenhöfe, von denen manche fast wie ein kleiner Park erschienen. Und ebenfalls neu bei der Planung der Rosenhofsiedlung war die Einbeziehung der Kirche in das Gesamtkonzept des Siedlungsgrundrisses. In der Siedlung wurde die Kirche bewusst in das Zentrum der Siedlung gestellt: Die Kirche St. Dreikönigen, nach Plänen von Hans Peter Fischer und Heinrich Forthmann gebaut, sperrt mit einem Arkadengang quasi die Mittelachse der Siedlung, und die Gläubigen werden auf den „rechten Weg“ geführt, direkt in das Gotteshaus.

Die Bewohner der Rosenhofsiedlung

Gebaut wurde die Siedlung für Bewohner, die eher der Mittelschicht zuzurechnen waren. Die Auswahl der Mieter war wohl sehr strikt. So mussten sich Bewerber für eine Wohnung noch bis in die 1980er Jahre hinein persönlich beim damaligen Vorstand der GAG vorstellen, um eine Wohnung in Bickendorf zu erhalten. Der Geograph und Historiker André Dumont hat auf Wunsch der GAG die Sozialstruktur der Siedlung noch einmal untersucht und herausgefunden, dass in der Siedlung letztlich Angehörige aller Gesellschaftsschichten Tür an Tür lebten. In den 1920er Jahren lebten in der Rosenhofsiedlung nach seinen Recherchen unter anderem Arbeiter, Angestellte, Handwerker, Künstler und vereinzelt auch Akademiker. Außerdem fand Dumont viele Buchhalter und Sekretäre, Kriminalbeamte und Mitarbeiter der Post sowie Bäcker, Bankangestellte, einige Ärzte, diverse Handwerker und mehrere Witwen.

Der Platz „Am Rosenhof“ war ein zentraler Treffpunkt für die Bewohner. Auf dem mittig gelegenen Spielplatz kamen Kinder, Mütter und Väter auf ein Schwätzchen zusammen. Und abends trafen sich die Nachbarn auf ein Bier zum Feierabend. Das ist übrigens der Grund dafür, dass die Loggien der Häuser, die den Platz umrunden, nicht nach hinten hinausgehen, sondern nach vorne: Die Bewohner sollten ganz gemütlich von ihrer Loggia aus das Gemeinschaftsleben verfolgen können. Zusätzlich dazu sorgten Vereine, in denen die Bickendorfer zum Singen, Karten spielen, Kegeln oder Karneval feiern zusammenkamen, für eine rege Vernetzung innerhalb der Nachbarschaft.

Du fragst Dich, was die Bewohner wohl heute über vergangene Zeiten erzählen würden? Wir waren zu Gast bei GAG-Mieterin Margareta Müller-Wolf, die in dem Beitrag „Seit vier Generationen auf dem gleichen Spielplatz“. über die Vergangenheit berichtet. Und das Ehepaar Schwingeler erzählt im Interview „Wenn etwas ist, darfst Du immer schellen“. von der Zeit nach dem Krieg und einem Heiratsantrag inmitten von Rosen.

Was von der Vergangenheit bleibt

Heute steht die Rosenhofsiedlung unter Denkmalschutz. Vor einigen Jahren wurde die gesamte Siedlung aufwändig saniert und ist heute in einem Zustand, der wieder dem Original entspricht. Das gilt sogar für die Dachböden: Da es mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar wäre, hier große Fenster für neue Wohnungen einzuziehen, werden sie auch heute überwiegend als Abstellfläche oder zum Aufhängen der Wäsche genutzt. Teilweise erhielten Häuser Balkone.

Der Platz „Am Rosenhof“ steht heute nicht mehr in voller Blüte. Doch immer noch säumen Vorgärten die Bürgersteige in der Siedlung. Und wer jetzt von der lauten Venloer Straße in die Siedlung abbiegt, vergisst gleich den Verkehrslärm. Stattdessen hört man gelegentlich Kinder spielen. Hier und da ist auch mal ein Fenster geöffnet, Menschen schauen hinaus und sprechen mit vorbeigehenden Nachbarn. Die Rosenhofsiedlung war und ist eine Siedlung, in der man sich kennt.

Die Recherche der historischen Fotos konnte mit freundlicher Unterstützung der SK Stiftung Kultur umgesetzt werden. 

 

Text: Maria Hauser

Historische Fotos: Hugo Schmölz, Werner Mantz

Aktuelle Fotos: Ralf Berndt, Patrick Essex

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