Foodsharing-Station im Kölner Agnesviertel
Foto: Costa Belibasakis

Foodsharing in Köln – so funktioniert es

In dieser Rubrik überraschen wir Dich mit kreativen Rezepten und Tipps zum Einkaufen. Diesmal geht es um Kisten, Regale und Kühlschränke voller Essen, die mitten in den Veedeln stehen. Das ist Foodsharing – quasi eine öffentliche Tauschbörse für Lebensmittel, die die Kölner nicht im Müll entsorgen möchten. Woher das Essen genau kommt, ob Du bei diesem Trend mitmachen kannst und was Du sonst noch beachten musst, erfährst Du in diesem Ratgeber.

Was ist Foodsharing?

Beim Foodsharing geht es darum, Lebensmittel vor dem Müll zu retten. In Deutschland landet knapp ein Drittel aller Lebensmittel in der Mülltonne. Dazu gehören Lebensmittel, die Du zu Hause entsorgst. Aber auch Lebensmittel, die in Supermärkten, Bioläden, Restaurants oder anderen Geschäften nicht mehr verkauft werden können. Das Essen ist häufig noch viel zu gut für die Tonne.

Deshalb hat der Kölner Verein Foodsharing e. V. die Online-Plattform foodsharing.de  entwickelt. Über die Plattform wird die Weiterverteilung von Lebensmitteln organisiert und ein gemeinsames Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung gesetzt. Das Besondere: Jeder darf mitmachen, Lebensmittel sammeln und weitergeben oder diese bei Sammelstationen abholen und verbrauchen. Du kannst Dich auf foodsharing.de kostenlos als Foodsharer registrieren und Dich direkt mit anderen Mitgliedern über Verteilaktionen austauschen. Zudem bildet der Verein sogenannte Foodsaver aus, die die Lebensmittel von Geschäften abholen und weiterverteilen.

Wie funktioniert Foodsharing?

Foodsharing e. V. rettet tonnenweise Lebensmittel vor der Entsorgung im Müll. Dafür sind sie auf Deine sowie auf die Mithilfe von ehrenamtlichen Foodsavern angewiesen. Während Privatpersonen selbst Lebensmittel spenden, sammeln die Foodsaver diese bei kooperierenden Geschäften ein und verteilen die Lebensmittel weiter.

Die Verteilung kann direkt erfolgen, indem die Lebensmittel an Einrichtungen für Obdachlose, Schulen oder Kindergärten weitergegeben werden. Manche bieten die Lebensmittel aber auch in privaten Essenskörben an und posten auf foodsharing.de, wie und wann diese zugänglich sind. Oder sie bestücken Fair-Teiler, das sind öffentlich zugängliche Körbe, Regale und Kühlschränke mitten in den Veedeln.

Als Privatperson kannst Du Dich kostenlos bei foodsharing.de registrieren und auch die App nutzen. Außerdem kannst Du dem Verein bei Facebook  folgen. In der Regel wird jedoch nicht jede Verteilaktion gepostet. Denn die Lebensmittel sind begehrt, werden häufig auch ohne öffentliche Ankündigung abgeholt. Wer etwas von den eingestellten Waren haben will, braucht in vielen Fällen also etwas Glück. Wer gelegentlich mal einen Fair-Teiler ansteuert, kann zusätzlich auf Erfahrungswerte vertrauen. Gute Chancen hast Du während der Schulferien oder wenn große Mengen eines speziellen Lebensmittels angeboten werden.

Christian Horsters bestückt auch den Fair-Teiler vor der Alten Feuerwache in Köln
Foto: Costa Belibasakis

Eine große Menge an Lebensmitteln geben zum Beispiel einige Bäckereien ab. Foodsaver Christian Horsters erzählt Dir in unserem Beitrag „Ich bin vermutlich der Backwarenretter der Republik!“ von seinem Engagement und seiner emotionalen Verbundenheit zu Brötchen und Co. – vielleicht ist er Dir sogar schon als „DJ der guten Laune“ ein Begriff?

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Was sind die Vorteile von Foodsharing?

  1. Häufig hat man vor dem Urlaub noch ein paar Lebensmittel übrig. Oder Du hast zu viel eingekauft und kommst gerade einfach nicht zum Kochen. Dank Foodsharing musst Du nun nicht mehr alle Lebensmittel wegwerfen, die Du nicht mehr verbrauchen kannst, bevor sie schlecht werden.
  2. Wer Essen nicht unnötig wegwirft, entlastet die eigene Mülltonne
  3. Wer die geteilten Lebensmittel weiterverwendet, muss dafür nichts bezahlen. Das wirkt sich positiv auf Deinen Geldbeutel aus.
  4. Außerdem schont Foodsharing Ressourcen, weil auf lange Sicht weniger Lebensmittel hergestellt werden.

Foodsharing sorgt also für klassische Win-win-Situationen.

Welche Regeln benötigt Foodsharing?

Beim Foodsharing gilt der Grundsatz: Nichts an andere weitergeben, was man selbst nicht mehr essen würde. 

Obst, Gemüse, Backwaren und Getränke gelten als unempfindliche Lebensmittel. Deren Lagerung ist sehr einfach: Sie mögen es dunkel, trocken und kühl. Diese Lebensmittel dürfen geteilt werden.

Nicht erlaubt ist das Teilen und Weitergeben von hygienisch riskanten Lebensmitteln. Hierzu gehört Essen mit einem Verbrauchsdatum, also der Angabe „zu verbrauchen bis ...“ – etwa roher Fisch, Geflügel und anderes Fleisch sowie Lebensmittel mit rohen Eiern.

Anders ist es mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum, also der Angabe „mindestens haltbar bis...“: Viele derart „abgelaufene“ Lebensmittel sind noch unbedenklich genießbar. Oft helfen bei der Beurteilung der Waren die Sinne, vor allem Aussehen und Geruch. Wer Lebensmittel weitergibt, muss überprüfen, ob diese noch verzehrt werden können. Das sollte auch der tun, der sie in Empfang nimmt. Vorsicht: Der Inhalt von geöffneten Verpackungen muss besonders gut geprüft werden – im Zweifel sind diese Lebensmittel nicht mehr zum Verzehr geeignet.

Außerdem gilt: Wer Essen teilt, der sollte gesund sein und auf die persönliche Hygiene achten.

Für die öffentlichen Kühlschränke gelten besondere Regeln, wenn sie genutzt werden. In die Kühlschränke eingestellte Lebensmittel sind immer abzudecken, offene Lebensmittel gehören in verschlossene Plastikbehälter. Zudem sollten die Foodsharer auch bei der Reinigung der Kühlschränke helfen – mindestens einmal im Monat.

Die Regeln hängen aus: An jedem Fair-Teiler ist ein Aushang mit den Regeln angebracht. Nachlesen ist also jederzeit möglich und erwünscht. Außerdem findest Du das ausführliche Foodsharing-Regelwerk auch online.

Gibt es Alternativen zum Foodsharing?

Foodsharing ist eine gute Sache! Doch was soll man tun, wenn die Fair-Teiler und Essenskörbe schon von anderen Gleichgesinnten geleert wurden? Wir haben zwei Alternativen gefunden, die zwar nicht kostenlos sind, aber trotzdem Essen vor der Tonne retten und gleichzeitig den Geldbeutel schonen.

Das Geschäft The Good Food

The Good Food ist ein Laden in Köln-Ehrenfeld, der Lebensmittel vor dem Müll rettet, aber für Dich nicht völlig kostenlos ist. Hier gilt die Regel: Zahle, was es Dir wert ist.

Bei The Good Food findest Du:

  • Backwaren vom Vortag,
  • Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben,
  • Obst und Gemüse, das anderen Supermärkten zu klein oder zu krumm ist.

Die App Too Good To Go

Eine weitere Möglichkeit, Lebensmittel zu retten, bietet die App Too Good To Go. Sie vermittelt zwischen Restaurants, Imbissen, Supermärkten, Bäckereien und Hotels auf der einen und Kunden wie Dir auf der anderen Seite.

Die Betriebe schätzen ab, wie viele Mahlzeiten aus ihren Auslagen und von ihren Büfetts übrigbleiben werden. Über die App können registrierte Nutzer diese Portionen reservieren und zu einer festgelegten Zeit abholen. Ohne allerdings genau zu wissen, was sie am Ende bekommen. Dafür sind die Waren deutlich günstiger als im normalen Verkauf.

Wo gibt es Foodsharing in Köln?

Hier findest Du eine Übersicht der bei Foodsharing registrierten Fair-Teiler-Stationen in Köln, sortiert nach Veedeln. Vorsicht: Nicht alle Fair-Teiler sind jederzeit zugänglich.

  • Innenstadt: Fairteiler-Fahrrad beim Neumarkt, Thieboldsgasse 108, jederzeit zugänglich
  • Agnesviertel: Fair-Teiler Alte Feuerwache, Melchiorstraße 3, Gebäude Branddirektion, unten im Flur auf der rechten Seite, Mo–Sa 09:00–21:00 Uhr
  • Südstadt: Neuland-Garten, Koblenzer Straße 15, Zugang über Alteburger und Koblenzer Straße, etwa in der Mitte steht eine kleine Hütte samt Stahlschrank an der Wand, jederzeit zugänglich
  • Südstadt: Trödelladen und Büro der Talentskulptur, Kartäuserwall 18, Mo–So bis 22:00 Uhr
  • Chorweiler: Fair-Teiler Generationenpark, Windröschenweg, jederzeit zugänglich
  • Chorweiler: Fair-Teiler Freie Waldorfschule Köln, Weichselring 6, jederzeit zugänglich
  • Nippes: Fairteiler-Fahrrad Stellwerk 60, Am Alten Stellwerk, jederzeit zugänglich
  • Riehl: Goldi am Nordpark, Amsterdamer Straße 149, jederzeit zugänglich
  • Ehrenfeld: Büze Ehrenfeld, Venloer Straße 429, innerhalb des Bürgerzentrums, Mo–Fr 08:00-22:00 Uhr, Sa 11:00-22:00 Uhr und So 11:00-18:00 Uhr
  • Lindenthal: Café Chaos – Humanwissenschaftliche Fakultät, Gebäude 216, Gronewaldstraße 2, während der Vorlesungszeit Mo–Fr 10:00–20:00 Uhr, Sa 09:00–13:00 Uhr, in den Semesterferien unregelmäßig
  • Sülz: Fair-Teiler Campus-Garten, Weyertal 115, Eingang auf dem Studentenweg zwischen der Robert-Koch-Straße und Weyertal, jederzeit zugänglich
  • Sülz: Fair-Teiler KHG, Berrenrather Straße 127, in der Vorlesungszeit Mo–Do 10:00-22:00 Uhr, Fr 10:00-17:00 Uhr, in der vorlesungsfreien Zeit Mo–Fr 10:00–17:00 Uhr
  • Deutz: Familienforum Köln, An Sankt Urban 2, im Vorraum, Mo–Do 09:00-15:00 Uhr, Fr 09:00–12:00 Uhr
  • Mülheim: Fairteiler-Fahrrad Jan von Berg, Fürstenbergstraße 23, jederzeit zugänglich
  • Buchheim: Fairteiler-Fahrrad Herlinda, Herler Straße 94, an der Haltestelle Herler Straße in Buchheim, vier Körbe sind verschließbar und wetterfest, ein Korb ist offen, jederzeit zugänglich
  • Buchheim: Heikes Vorgarten, Besselstraße 19, jederzeit zugänglich
  • Dünnwald: Fairdinand Fair-Teiler, Von-Diergardt-Straße 60, an einer Kita, jederzeit zugänglich
  • Kalk: Fair-Teiler Kalk-Nord, Lüttringhauser Straße 40, schwarzer Stahlschrank in privatem Vorgarten, jederzeit zugänglich
  • Vingst: Vingster Lebensmittel-Schrank, Würzburger Straße 11a, auf dem Gelände des Vingster Bürgerzentrums, jederzeit zugänglich
  • Porz: Fair-Teiler Porz, Ensener Weg 64, Schränke im Holzschuppen mit dem Foodsharing-Plakat, jederzeit zugänglich

Checkliste: Foodsharing in Köln

Dank unserer Checkliste behältst Du den Überblick – das solltest Du über Foodsharing in Köln wissen:

  • Beim Foodsharing geht es darum, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.
  • Jeder darf mitmachen und selbst Essen spenden oder mit nach Hause nehmen.
  • Als Privatperson bist Du ein Foodsharer – ausgebildete Foodsaver sammeln Essen bei Kooperationspartnern ein.
  • Über die Online-Plattform foodsharing.de organisieren sich Gleichgesinnte und geben anderen Bescheid, wo Lebensmittel hinterlegt worden sind.
  • Foodsharing bringt mehrere Vorteile mit sich: Wer Lebensmittel weitergibt, der hält die Mülltonnen leer. Wer Lebensmittel zum Verzehr mitnimmt, der spart Geld.
  • Damit Foodsharing funktioniert, musst Du einige Regeln einhalten. Diese findest Du an den Abholstellen oder auf der Website von foodsharing.de.
  • Gerettete Lebensmittel sind begehrt – Du brauchst etwas Glück, um Lebensmittel zu finden. The Good Food in Ehrenfeld und die App Too Good To Go sind mögliche Alternativen zum Foodsharing.

Text: Markus Düppengießer

Als größte Vermieterin in Köln haben wir uns ein Ziel gesetzt: Wir möchten Dich mit richtig guten Wohntipps versorgen. Egal, ob Du bei uns #zohus bist oder nicht!

Doch bitte beachte: Alle unsere Angaben sind natürlich ohne Gewähr und als reine Empfehlungen zu verstehen. Wenn Du das Angebot von foodsharing.de nutzt, musst Du Dich auch an die Regeln des Vereins halten. Auch, wenn sich seit der Veröffentlichung von unserem Ratgeber etwas am Regelwerk verändert hat.