Katharina Petzoldt erzählt von ihrem Leben in Köln

„Meine erste Fremdsprache war Hochdeutsch“

In dieser Rubrik treffen wir Menschen, die Dir in Deiner Nachbarschaft begegnen könnten. Katharina Petzoldt wohnt seit ihrer Kindheit in Zollstock und beobachtet seitdem, wie sich das Veedel verändert. Sie spricht fließend Kölsch und kann einiges über das kölsche Miljö erzählen.

Name

Katharina Petzoldt

Geboren

1939

Beruf

Mundart-Autorin, Kolumnistin, Radio-Moderatorin, Kölsch-Dozentin

In Köln seit

Immer schon

Veedel

Zollstock

Lieblingsort

Büdchen am Kalscheurer Weiher

„Wie jeder Kölner – so sagt man jedenfalls – liebe auch ich meine Stadt. Ich habe von klein auf in Köln gewohnt und Kölsch gesprochen. Auch in meiner Familie wurde Kölsch gesprochen. Meine erste Fremdsprache war Hochdeutsch.

1939 wurde ich in Köln geboren. In der Herthastraße in Zollstock bin ich aufgewachsen. Mein Opa hatte dort ein Haus gebaut mit einer Metzgerei. Auch in der Herthastraße waren Häuser durch Bomben zerstört worden. Wir Kinder spielten auf der Straße und in den Trümmern. Da wurde nur Kölsch gesprochen.

Die Straße gehörte nicht zu den vornehmen Wohngegenden. Wohnte man dort, bekam man gleich den Stempel Krade ab. Das hat mich als Kind oft tief gekränkt. Ich habe eigentlich nie herausgefunden, warum die Straße so einen schlechten Ruf hatte, denn dort wohnten Kölsche Lück, Lück wie ich un do. No jo, och e paar Krade. Ävver die wonne üvverall. Etwas Negatives habe ich in der Straße nie erlebt.“

Heute bin ich stolz, im echten kölschen Miljö aufgewachsen zu sein.
Katharina Petzoldt

„Im echten kölschen Miljö lag man nachmittags auf einem Kissen im Fenster und tauschte die neuesten Nachrichten aus. Finstere nannte man das. Fienche, wat kochs de hück? Ääzezupp! Hatte mer jestere! Man hörte so manchen Heimatklang. Heute bin ich stolz, im echten kölschen Miljö aufgewachsen zu sein, ich könnte sonst nicht das machen was ich mache.“

Zollstock ist und bleibt ihre Heimat

„Ich wohne immer noch in Zollstock in einer Wohnung mit Blick auf den Vorgebirkspark. Oft gehe ich durch meine alte Herthastraße, in der man heute gerne wohnt. Lehrer, Studenten, Künstler haben sich dort niedergelassen.

Heute finden dort Straßenfeste statt und man hat den Eindruck, dass da wieder das kölsche Leben gepflegt wird, trotz oder besonders wegen der vielen Imis, die zugezogen sind.“

So ändern sich die Zeiten!
Katharina Petzoldt

„Gelernt habe ich den Beruf der Bankkauffrau. Nach den Kindererziehungsjahren fand ich eine Anstellung bei der Stadt Köln im Schulsekretariat der Gesamtschule Zollstock, der späteren Europaschule Köln, wo ich bis zu meiner Pensionierung gearbeitet habe.

Nachdem meine Kinder aus dem Hause waren, belegte ich ein Kölsch-Seminar an der Akademie för uns kölsche Sproch, welches ich mit ärch jot abschloss. Dort wurde mir bewusst, in welch herrlichen Stadt ich wohne mit einer über zweitausendjährigen Stadtgeschichte und einer eigenen Stadtsprache! Welche Stadt kann sich rühmen, eine eigene Sprache zu haben?“

Sie ist Dozentin bei der Akademie för uns kölsche Sproch

„Den Hinweis ‚Sprich anständig‘, den ich als Kind oft gehört habe und der nichts anderes bedeutet als sprich Hochdeutsch, konnte ich damals schon nicht wirklich verstehen. Wenn sich eine Sprache nicht fein anhört, dann ist nicht die Sprache daran schuld, sondern die Leute, die sie sprechen.

Vielleicht war das auch der Grund, dass ich mich um eine Dozentenstelle bei der Akademie för uns kölsche Sproch beworben habe. Nach einem Vorstellungsgespräch wurde ich 1989 in den Kreis der Kölsch-Dozenten aufgenommen und ich bin bis heute immer noch mit Begeisterung dabei.“

Kölsch zu schreiben ist noch schwerer als Kölsch zu sprechen.
Katharina Petzoldt

„Seit zehn Jahren schreibe ich für den Kölner-Wochenspiegel En klein Kölsch-Lektion. Kölsch zu schreiben ist noch schwerer als Kölsch zu sprechen, denn Kölsch hat, wie jede Sprache, eine eigene Grammatik. Ein großes Glück war auch, dass ich sechs Jahre bei unserem Kölsch-Professor, Dr. Heribert A. Hilgers, die Kölsche Sproch von der Pike auf schreiben lernen konnte. Es war eine harte Schule aber heute bin ich Dr. Hilgers noch von Herzen dankbar. Außerdem arbeite ich im Bürgerfunk mit und habe eine eigene Radiosendung unter dem Titel Klaaf un Tratsch op kölsche Aat.

Sie besitzt viele kölsche Lieblingsstücke

„Meine Lieblingsstücke in der Wohnung? Einmal abgesehen von meinen zahlreichen Kölsch Literatur-Büchern, Köln-Büchern und -CDs habe ich zwei Jecke Höhner vun Kölle, die ich gewonnen habe, eine stattliche Anzahl von Karnevalsorden, mein 50 Jahre altes Vintage-Sofa und die wundervollen Handarbeiten meiner Freundin Marlis, die 25 Jahre lang Kunstgewerbedozentin an der Volkshochschule war.“

Text: Jana Mareen Züger

Fotos: Costa Belibasakis

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