Murat und Holger lachend Arm in Arm in der Gaststätte „Vingster Pohl“
Foto: Costa Belibasakis

Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe mit Herz

In dieser Rubrik stellen wir Dir soziale Projekte und Initiativen in den Veedeln vor, die Du mit Sachspenden oder ehrenamtlichem Engagement unterstützen kannst. Diesmal lernen wir Holger Utzig und Murat Kundakci kennen, die uns mehr über die Nachbarschaftshilfe von Kölsch Hätz erzählen.

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Akzeptanz und Zusammenhalt – so lässt sich das Kölsche Lebensgefühl gut zusammenfassen. Trotzdem gibt es in Köln viele Menschen, die sich einsam und isoliert fühlen und sich Unterstützung im Alltag wünschen. Die Kölner näher zusammenbringen, Lebensfreude schenken, Hilfsbedürftige unterstützen: Das alles hat sich Kölsch Hätz zur Aufgabe gemacht. Seit 23 Jahren setzt sich die Nachbarschaftshilfe für soziale Integration an zwölf Standorten in Köln ein. Und das so erfolgreich, dass dem Verein schon diverse Preise für seine Arbeit verliehen wurden. Unter anderem der Altehilfepreis des Deutschen Roten Kreuzes und der Ehrenamtspreis der Stadt Köln. Doch das alles ist nur möglich dank der ehrenamtlichen Helfer, die andere Menschen unterstützen, ihnen im Alltag Gesellschaft leisten – und ihren Nachbarn damit ein wertvolles Geschenk machen: ihre Zeit. Und diese Zeit schenken uns heute auch der ehrenamtliche Kölsch Hätzler Holger Utzig und sein Nachbar Murat Kundakci.

Menschen unterstützen – Leben verändern

Wir treffen die beiden im „Vingster Pohl“, einer gemütlichen Gaststätte im rechtsrheinischen Stadtteil Kölns und – wie sich herausstellt – der Stammkneipe von Holger und Murat. Es wird gescherzt, geplänkelt und gelacht – hier kennt man sich, hier schätzt man sich. Bereits nach wenigen Minuten mit Holger und Murat wird klar: Hier geht es ganz und gar nicht nur darum, für jemanden einkaufen zu gehen oder ihm vorzulesen – die beiden verbindet vielmehr eine Freundschaft. „Was wir machen, geschieht immer spontan. Manchmal ist auch meine Frau dabei. Aber wir haben immer viel Spaß zusammen”, sagt Holger mit einem verschmitzten Lachen.

Mein Ziel ist es, das Veedel am Leben zu erhalten, die Menschen zusammenzubringen. Dafür braucht es Ehrenamtler, die das Ganze zusammenhalten.
Holger Utzig

Für den 51-jährigen Koch Utzig ist das Ehrenamt eine Herzensangelegenheit. Seit Jahren engagiert er sich deshalb stark im Vingster Vereinsleben und unterstützt gemeinnützige Organisationen. „Mein Ziel ist es, das Veedel am Leben zu erhalten, die Menschen zusammenzubringen. Dafür braucht es Ehrenamtler, die das Ganze zusammenhalten”, erklärt Holger.

Doch eine Sache habe immer gefehlt. „Damals habe ich mir gedacht: eine Möglichkeit, etwas für ältere Menschen zu tun, für sie einkaufen zu gehen oder mal eine Kiste Wasser hochzutragen – so etwas wird gar nicht angeboten. Und dann kam Kölsch Hätz.” 2018 eröffnete die Nachbarschaftshilfe ihren Standort in Vingst. „Meine Schwiegermutter war dort ebenfalls ehrenamtlich tätig. Wir haben uns darüber unterhalten – und ich bin sofort mit eingestiegen”, erinnert sich Holger Utzig. Im gleichen Jahr lernte er auch Murat kennen.

Seit 15 Jahren lebt Murat in Deutschland, vor neun Jahren hat es ihn nach Vingst verschlagen. Eine große Herausforderung – und das nicht nur wegen der Sprachbarriere, sondern auch wegen der beinahe vollständigen Blindheit. „Es fällt mir deutlich schwerer Deutsch zu lernen, weil ich nicht einfach alles ablesen und auswendig lernen kann”, erklärt er. „Aber dank Holger habe ich viel gelernt – nicht nur über die deutsche Sprache, sondern auch über das Leben im Veedel. Er ist meine moralische Unterstützung.” Vor zwei Jahren organisierte Murats gesetzliche Betreuerin einen Termin mit Kölsch Hätz. Die Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe vermittelten ihn daraufhin an Holger und organisierten ein Kennenlernen. Seitdem treffen sich die beiden mindestens einmal pro Woche. Und wenn nicht, dann wird wenigstens telefoniert. „Ich brauche diese soziale Interaktion. Deshalb bin ich so glücklich, dass ich Holger und seine Frau kennengelernt habe”, erzählt Murat.

Vor Kölsch Hätz hatte ich niemanden, der mich unterstützt.
Murat Kundakci

In zwei Jahren haben er und Holger schon einiges erlebt: Von Ausflügen ins Phantasialand über Karnevalssitzungen bis hin zu langen Nächten in der Kölner Südstadt. Doch das war nicht immer so. „Vor Kölsch Hätz hatte ich niemanden, der mich unterstützt. Keine Helfer, keine Assistenten – gar nichts.” Von 2011 bis 2018 war er arbeitslos und verbrachte den Großteil seiner Zeit alleine Zuhause. Doch dann fasste er neuen Mut und bewarb sich wieder um einen Job in einer Werkstatt, in der er bis heute arbeitet. „Heute bin ich viel beschäftigt. Ich habe gemerkt: Das Leben geht weiter. Ich muss nicht alleine zu Hause bleiben”, sagt Murat. „Durch Holger und Kölsch Hätz hat sich mein Leben sehr verändert. Und damit bin ich sehr zufrieden – von Tag eins bis heute.”

Die Geschichte von Holger und Murat zeigt einmal mehr, wie wichtig ehrenamtliche Arbeit ist – für alle Beteiligten. „Anderen zu helfen tut einfach gut. Es macht zufriedener, glücklicher”, sagt Holger. „Diese Tätigkeit ist nicht einseitig: Es ist ein Geben und Nehmen.” Das Ehrenamt und die Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen überwinde sprachliche Barrieren, baue Vorurteile ab und sei letztendlich eine Vorsorge für das eigene Alter. Denn wer wünscht sich im Alter keine Gesellschaft oder Unterstützung?

So unterstützt Du Deine Nachbarn!

Damit „Kölsch Hätz“ Nachbarn wie Murat in Kölns Veedeln auch weiterhin bestmöglich unterstützen kann, braucht der Verein ehrenamtliche Helfer. Dafür brauchst Du keine besondere Ausbildung oder spezielle Qualifikation. Kölsch Hätz sucht nach Menschen, die offen und locker im Umgang mit anderen Menschen sind.

Wende Dich einfach an die Koordinatorin Deines Veedels und sage ihr, wie genau Du Deine Nachbarn gerne unterstützen möchtest. Die ehrenamtliche Arbeit kannst Du flexibel gestalten. Du möchtest in erster Linie für ältere Menschen einkaufen? Oder Du fühlst Dich wohler damit, nur weibliche oder nur männliche Nachbarn zu unterstützen? Kein Problem – Du entscheidest, wie Deine Nachbarschaftshilfe aussehen soll. Die Koordinatoren vermitteln Dir einen Nachbar. Als Kölsch Hätzler bist Du versichert und bekommst sogar Deine Fahrtkosten erstattet. Wenn Du möchtest, kannst Du außerdem an Fortbildungen teilnehmen, beispielsweise zu Grundlagen der Demenz oder dem Umgang mit psychisch Erkrankten.

Du selbst hast nicht die Möglichkeit, ehrenamtlich tätig zu werden, möchtest Kölsch Hätz aber trotzdem unterstützen? Dann hilf mit, die Nachbarschaftshilfe bekannter zu machen. Vielleicht haben Deine Freunde oder Deine Familie Lust, Nachbarn in ihrer Umgebung zu unterstützen – und die Veedel so wieder näher zusammenrücken zu lassen.

Text: Maren Selbst

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