Das Bickendorfer Fahrradbüdchen ist Treffpunkt, Schrauberwerkstatt und Nachbarschaftshilfe
Foto: Costa Belibasakis

Fahrradspenden und Schrauber gesucht

In dieser Rubrik stellen wir Dir soziale Projekte und Initiativen in den Veedeln vor, die Du mit Sachspenden oder ehrenamtlichem Engagement unterstützen kannst. Diesmal besuchen wir das Fahrradbüdchen in Bickendorf.

Wer braucht Dich

Bickendorfer Fahrradbüdchen

Wem soll geholfen werden

Neuzugewanderten und Kölnern mit defektem Fahrrad

Wie kannst Du helfen

Mit Engagement oder Fahrradspenden

Adresse

Wolfssohnstraße 12a, 50827 Köln-Bickendorf

Öffnungszeiten

Jeden Di und Fr 15:00–18:00 Uhr

Weitere Informationen

Mehr Infos und Ansprechpartner findest Du auf der Website von „Aktion Nachbarschaft e.V.“

Das Fahrradbüdchen ist eine interkulturelle Selbsthilfewerkstatt, die 2016 eher zufällig aus einer nachbarschaftlichen Hilfsbereitschaft heraus entstand: Bertold Ostfalk und Albert Sohnshalf benachbarten Flüchtlingen im eigenen Garten, an Fahrrädern zu werkeln. Der Andrang aus der Unterkunft nebenan wurde schnell so groß, dass der Platz und Ostfalks sowie Sohnshalf Hilfe allein nicht mehr ausreichten. Der gemeinnützige Verein „Aktion Nachbarschaft“ griff die Idee auf und fand in Kooperation mit der GAG Immobilien AG eine größere Räumlichkeit für das Projekt – ein altes Waschhaus in der Wolfssohnstraße, das die GAG zur Verfügung stellte.

Hier helfen seitdem sieben ehrenamtliche Helfer und drei feste Organisatoren, Fahrräder instand zu halten oder vom Sattelträger bis zum Lenkrad selbst zusammen zu bauen. „Wir möchten hier Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Das gilt mittlerweile genauso für Menschen mit Fluchterfahrung, als auch für Anwohner, denen das nötige Kleingeld für ein neues Rad fehlt“, erklärt Eva Schneider, Sozialarbeiterin und Leiterin des Projekts. In dem Moment tritt ein Jugendlicher in die Werkstatt, der Hilfe beim Reifenaufpumpen braucht. Günni, seit 2017 Quartierhelfer bei Aktion Nachbarschaft, eilt zur Hilfe: „Das sind französische Ventile. Die musst du vorher aufdrehen.“

Gemeinsames Schrauben verbindet

Das Fahrradbüdchen ist tatsächlich zu einem Treffpunkt geworden – um gemeinsam zu schrauben, zu fachsimpeln oder auch einfach mal nur einen Kaffee zu trinken. Kaum ist der Reifen aufgepumpt, kommt auch schon der nächste. Ihm wurde die Pedale geklaut. „Das ist ungewöhnlich“, sagt Günni. „Meistens klauen die den Sattel, die Felge oder gleich das ganze Fahrrad“. Dakhil stammt selbst aus dem Irak und ist mittelweile fester Bestandteil des Ehrenamtler-Teams. Jetzt hilft er dem jungen Mann, ein neues Pedal anzubringen.

An einem normalen Tag kommen hier 10 bis 15 Leute vorbei. „Im Sommer ist es richtig voll. Gerade am Freitag, wenn alle am Wochenende einen Ausflug machen wollen“, erzählt Günni. Wenn man größere Reparaturen zu machen habe, sei es am besten, vorab einen Termin zu vereinbaren. Ansonsten gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, schraubt zuerst.

Am schönsten ist es, wenn die Leute über das gemeinsame Schrauben ins Gespräch miteinander kommen.
Eva Schneider

Als nächstes ist das Rad eines älteren Herrn an der Reihe, der in Begleitung seines Sohnes kommt. „Meine Geschwister, die hier wohnen, haben mir das Fahrradbüdchen empfohlen. Seitdem war ich mit der ganzen Familie hier, mit den Kindern und nun auch mit meinem Vater. Die Leute sind nett und helfen uns sehr“, erklärt der Sohn, während der Sattel des Fahrrads auf die richtige Höhe angepasst wird. „Mein Vater fährt zwar keine weiten Strecken mehr, aber er soll mobil bleiben.“ Tatsächlich ist auch das ein Kerngedanke hinter dem Projekt Fahrradbüdchen: „Warum Fahrräder? Ganz einfach: Viele Leute haben kein Geld für den Führerschein oder ein eigenes Auto. Wir möchten, dass sie trotzdem mobil sind und etwas unternehmen oder einfach von A nach B kommen können“, erklärt Eva Schneider.

Wie Du das Bickendorfer Fahrradbüdchen unterstützen kannst

Die Fahrräder und Fahrradteile werden aus Spenden von befreundeten Fahrradläden, aber vor allem von Privatpersonen bezogen. „Wer also noch alte, ungenutzte Fahrräder bei sich rumstehen hat, kann sie gerne ein-fach während der Öffnungszeiten vorbei bringen. Auch Ersatzteile, wie Mäntel und Schläuche können wir immer gebrauchen“, sagt Schneider. Die Ersatzteile können dann von den Besuchern gegen eine kleine Spende am eigenen Rad verbaut werden. „Jeder gibt, so viel er kann“, so Schneider.

Man könne auch ganze Fahrräder gegen eine kleine Ablöse kaufen: „Verschenkt werden die Räder hier nicht, nein. Aber je mehr man selbst macht, desto günstiger wird es. Unser Ziel ist es ja, die Leute zusammen zu bringen, sie am Aufbau oder der Reparatur zu beteiligen. Wir sind also keine Servicewerkstatt, sondern viel mehr ein Treffpunkt. Für viele spielt hier zwar Geld eine Rolle oder dass sie eben nicht so viel haben, aber die meisten kommen tatsächlich, um sich zu vernetzen, sich zu integrieren. So wird die Nachbarschaft und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.“

Und so kann man auch helfen, wenn man keine Fahrradleiche im Keller hat – einfach vorbeikommen und helfen. „Wir sind alle keine Profis und es kann auch nicht jeder alles“, gibt Günni zu. „Aber bis jetzt haben wir die Räder immer alle wieder fit gemacht. Hauptsache man hat Spaß am Schrauben! Die Leute sollen ja nur verstehen, dass das kein Hexenwerk ist. Manche Sachen, wie die Reifen zu wechseln, muss man eben nur mal gemacht haben“, erklärt Günni die Tätigkeit der Helfer. Und Eva Schneider ergänzt: „Gerade Kinder und Jugendliche, die in Armut Leben oder sozial benachteiligt sind, haben einfach nicht gelernt, dass oder wie sie ihre Probleme selbst lösen können. Das möchten wir ändern.“ Für das Fahrradbüdchen wünscht sie sich zukünftig mehr Spender und ehrenamtliche Helfer: „Egal, woher man kommt, welchen Schulabschluss man hat oder welchem Geschlecht man angehört – am Fahrrad schrauben kann jeder. Und wenn die Leute so in Kontakt miteinander kommen, ist das doch das Schönste.“

Text: Carina Weisweiler

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