Gemeinsam säen und ernten in Porz-Urbach

In dieser Rubrik stellen wir Dir spannende Projekte aus den Veedeln vor. Diesmal begleiten wir den ersten großen Pflanztermin von GAG-Mietern und dem Projekt Ackerpause in Urbach und schauen den beiden Experten Sandra Vissering und Lars Vissering über die Schulter.

Hinter dem Haus in der Danziger Straße in Porz-Urbach ist es noch ruhig. Nur ein Stück umgegrabene Erde und ein Banner mit der Aufschrift „Gemeinsam ackern mit der Ackerpause“ verraten, dass hier heute noch einiges passieren soll. Am Ende des Tages soll nämlich ein Gemüsebeet entstehen – für und mit den GAG-Mietern. Unterstützt werden sie dabei von den Ackercoaches Sandra Vissering und Lars Vissering. Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit stehen im Fokus des Projekts. Doch nicht nur das: Das gemeinsame Gärtnern soll den Zusammenhalt in der Nachbarschaft fördern. „Unser Ziel ist es, dass sich die Menschen über die Haustüre hinweg kennenlernen, sich draußen treffen und austauschen“, erklärt Sandra. „Wir wünschen uns, dass die Bewohner nicht nur das Gemüse teilen, sondern auch das gemeinschaftliche Erleben, zusammen etwas erreichen zu können.“

Über das Projekt

Die Idee der Ackerpause entstand 2018 im Ackerdemia e. V.: Während der Gemüseanbau durch den Verein an über 850 Schulen und Kitas erlebbar wurde, bringt die Ackerpause ihn direkt in die Nachbarschaft. So sollen auch Erwachsene die Gelegenheit zum Ackern bekommen. Ziel bleibt dabei stets mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel zu erzeugen. Unter dem Motto „Gemüse säen – Gemeinschaft ernten“ arbeiten die Ackercoaches eng mit den Anwohnern zusammen. Theorie und Praxis gehen dabei Hand in Hand: Sie erläutern Hintergründe zur ökologischen Landwirtschaft und zeigen, was Ackerpflege bedeutet – von der Aussaat bis zur Ernte. Mehr Informationen findest Du auf der Webseite der Ackerpause.

Gemeinschaftsgarten als große Chance für mehr Zusammenhalt

 „Insgesamt sollen hier heute 28 kleine Beete entstehen“, erklärt Sandra. „Wir haben eine bunte Mischung aus Saatgut und Jungpflanzen dabei, die wir gemeinsam nach Plan setzen. Vier der Beete können von den Mietern nach Herzenslust selbst gestaltet werden.“ Das Beste: Mitmachen kann auch, wer keine Ausrüstung besitzt. „Die nötigen Gerätschaften wie Harke und Schaufeln wurden von der GAG angeschafft. Wir haben einen kleinen Geräteschuppen gebaut, in dem das Werkzeug aufbewahrt wird“, sagt Sandra und deutet auf einen kleinen Holzverschlag am Rande des Gartens.

Durch das Projekt können wir uns alle näher kennenlernen und zusammenwachsen.
Mieter Aso

Bevor es richtig losgehen kann, muss ein Teil der Fläche noch vorbereitet werden. Ackercoach Lars Vissering trägt dazu die Grasnarbe mit Schaufel und Händen ab. Unterstützt wird er dabei von Aso, einem Anwohner der Danziger Straße. „Pflanzen ist mein Hobby. Ich liebe die Natur und pflanze auch Zuhause gerne“, erzählt er. „Leider wohne ich in der dritten Etage und habe dort nicht so viele Möglichkeiten. Da kommt so ein Gemeinschaftsgarten wie gerufen.“ Außerdem sei die Ackerpause auch für den Zusammenhalt eine tolle Chance. Neben Aso ackern nämlich noch viele andere GAG-Mieter mit. „Bis auf wenige Nachbarn kenne ich hier niemanden. Durch das Projekt können wir uns alle näher kennenlernen und zusammenwachsen.“

Leidenschaft fürs Gärtnern entdecken

Mittlerweile ist die Fläche vollkommen von Gras befreit. Nun ist es höchste Zeit für die Grundlage des Gemüsebeetes: den Kompost. „Wir haben insgesamt 3.000 Liter Kompost anliefern lassen“, erzählt Sandra. Und diesen gilt es nun, gleichmäßig zu verteilen. Diese Aufgabe übernimmt GAG-Mieterin Jenny. Motiviert und gut gelaunt schnappt sie sich die Schaufel und befördert den Kompost Schippe für Schippe in die Schubkarre. Seit 2016 wohnt Jenny mit ihren Kindern in der Danziger Straße. Auch für sie ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Ich habe auch zu Hause einige Pflanzen. Aber durch die Ackerpause habe ich erst so richtig meine Leidenschaft für das Gärtnern entdeckt“, erzählt Jenny, während sie die gefüllte Schubkarre in Richtung Beet schiebt und den Kompost verteilt.

In der Zwischenzeit haben sich auch viele Kinder aus der Nachbarschaft um das Beet versammelt, um mit anzupacken. „Für die Kinder ist die Gartenarbeit immer besonders schön und aufregend“, sagt Sandra und verteilt direkt Aufgaben an die motivierten Helfer. „Sucht uns doch mal ein paar Stöcke – wir brauchen noch welche, um das Beet abzustecken. Ihr könnt auch Gras zupfen und sammeln – das können wir dann als Mulch verwenden.“

Nur über die Wege, nicht über die Beete

Währenddessen beginnt Sandra damit, das Beet zu vermessen. „Wir haben hier eine Fläche von 6 mal 16 Metern. In der Mitte soll es einen 1 Meter breiten Weg geben. Die einzelnen Beete sind 60 cm breit, dazwischen lassen wir jeweils einen kleinen Weg von 40 cm frei“, rechnet Sandra und steckt mit den gesammelten Stöcken und einer Kordel die einzelnen Flächen ab. „Die kleinen Wege bleiben frei, damit man leichter an die Pflanzen herankommt“, erklärt sie weiter. „So ist es kein Problem, zu jäten, zu harken oder zu wässern.“

Die Fläche ist fertig abgesteckt, die Beete mit der Harke aufgelockert. Ab jetzt ist Vorsicht geboten. „Nur über die Wege, nicht über die Beete“ lautet das Motto, das Lars nun verkündet. Diese müssen noch geebnet werden. Unter der Leitung von Sandra stellen sich die Kinder in einer Reihe auf dem ersten Weg auf. „Und… springen!“, ruft sie, hüpft los und die Kinder folgen.

Mittlerweile steht die Mittagssonne hoch am Himmel, die Temperatur steigt, die Hitze treibt den Schweiß ins Gesicht – doch der guten Laune tut das keinen Abbruch. Schließlich kommt jetzt der beste Teil: das Bepflanzen! Sandra und Lars erklären den Helfern, welches Gemüse zu welchem Beet gehört und verteilen Pflanzen samt Informationskärtchen, auf denen genaue Anweisungen zum richtigen Pflanzen zu finden sind.

An die Beete, fertig, los!

Aso beginnt mit einem Beet aus Romana Salat und Kohlrabi. Wie auf seiner Karte vermerkt, gräbt er mit seiner Schaufel drei Reihen Löcher, die jeweils eine Schaufellänge voneinander entfernt sind. „Wie tief müssen die Löcher eigentlich sein?“, fragt Jenny, die zwei Beete weiter mit dem Mangold zugange ist. „Sie sollten so tief sein, dass der Erdballen der Pflanzen im Boden verschwindet“, erklärt Lars. Aso hat in der Zwischenzeit alle Löcher gegraben. Doch noch kann die Pflanze nicht ins Beet. „Wir füllen das Loch zuerst mit Wasser, damit die Wurzeln nach unten wachsen“, sagt Lars. „Die Pflanzen kommen erst rein, wenn das Wasser versickert ist. Sonst besteht die Gefahr, dass sie faulen.“ Aso schnappt sich die Gießkanne und füllt sie mit dem Wasserschlauch auf.

Während er die Löcher bewässert, kämpft Jenny noch mit ihrem Mangold-Beet. Es haben sich ein paar dicke Steine unter der Erde versteckt, die sie nun entfernen muss. „Gebt es zu, die Steine habt ihr hier extra versteckt“, witzelt Jenny während sie Stein für Stein aus dem Beet schaufelt. „Weißt du, was man bei der Gartenarbeit braucht? Zeit und Geduld“, gibt Lars lachend zurück. Nachdem alle Steine entfernt sind, möchte es immer noch nicht so ganz klappen – das Wasser versickert einfach nicht im Boden. „Das ist kein Problem“, erklärt Sandra. „Wenn das Wasser nicht absickern will, wirf einfach etwas lockere, trockene Erde in das Loch.“

Aso ist nun soweit und kann Romana Salat und Kohlrabi in die Erde bringen. Auch hierfür hat Lars einen Tipp: „Wenn du die Pflanzen anfasst, machst du das am besten immer am unteren Ende, dem Erdpresstopf. Sonst können sie abreißen.“

Mit Spaß zum Selbstversorger – bunte Kartoffeln, Trauben, Kräuter und mehr

Natürlich packen auch die Kinder wieder tatkräftig an. Sie bekommen von Lars eine besondere Aufgabe: die Kartoffeln einpflanzen! Dazu wird ein Graben in die Mitte des Kartoffelbeetes geschaufelt. Lars zeigt den Kindern, dass die Kartoffel aufrecht in den Boden gepflanzt und vollständig von Erde bedeckt werden muss. „Man kann sogar eine halbe Kartoffel anpflanzen“, erklärt Lars. Die Seite mit der Schale muss dafür nach oben zeigen. Die Kinder hören gespannt zu und staunen nicht schlecht, als Lars einzelne Kartoffeln aufschneidet und verschiedene Farben zum Vorschein kommen. „Wir haben hier lila, rosa und gelbe Kartoffeln. Die könnt ihr alle ganz normal kochen und essen“, erklärt Lars den begeisterten Kindern. Die machen sich direkt ans Werk und pflanzen die bunten Kartoffeln ein.

Mittlerweile ist das Gemüsebeet schon gut befüllt. Nur vereinzelte Flächen bleiben noch unbepflanzt. „Was noch fehlt sind Kürbis, Zucchini, Gurke und Tomaten“, sagt Sandra. „Die kommen bei der nächsten Ackerstunde dazu.“ Die exklusiven Mieter-Beete können die Anwohner jederzeit nach Belieben bepflanzen. Aso legt schon einmal los und pflanzt zwei Trauben, die er von Zuhause mitgebracht hat. „Ich möchte hier auch noch einen kleinen Holzzaun bauen, an dem sich die Pflanzen hochranken können“, sagt er. „Außerdem habe ich noch verschiedene Samen wie Petersilie und Dill. Die werde ich auch noch setzen.“

Gemeinsam säen und gemeinsam ernten

Nach guten vier Stunden ist es geschafft: alle Pflanzen und Samen sind gesetzt, der Rest des Beetes für die Mieter vorbereitet. Am Ende bleibt sogar mehr Platz übrig als erwartet. „Wie konnte das denn passieren?“, lacht Sandra. „Ist doch super, dann haben die Mieter noch mehr Platz zum Pflanzen“, freut sich Lars.

Ab jetzt können sich die Mieter an ihrem neuen Gemeinschaftsgarten erfreuen und eigene Pflanzen setzen. Jede Woche wird es eine Ackerstunde geben, in die sich alle nach Herzenslust einbringen und Fragen stellen können. „Bald kommt hier auch ein großer Wassertank hin“, erklärt Lars. „Der kann dann von allen zum Bewässern genutzt werden.“ Ende des Jahres ist außerdem ein Erntefest geplant – dann soll die gemeinsame Ernte eingeholt und ordentlich gefeiert werden.

Text: Maren Selbst

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