Urige Kneipe in der Kölner Innenstadt
Foto: Patrick Essex

Thiebolds-Eck – wo das Kölsch kühler zu sein scheint

In dieser Rubrik findest Du Gastro-Tipps aus Deinem Veedel. Wir starten unser Kneipen-Special mit dem Thiebolds-Eck in der Innenstadt. Prost!

Adresse

Lungengasse 31, 50676 Köln-Innenstadt

Öffnungszeiten

Mo–Sa 10:30–23:00 Uhr

Kölsch

Reissdorf vom Fass, 1,50 €

Besonderheit

Immer gut besucht

Agnes und Heribert Müller leben auf der Nordseeinsel Baltrum. Ein-, zweimal im Jahr besuchen sie ihre alte Heimat Köln, und dann, ja dann: „Reservieren wir uns immer einen Tisch im Thiebolds-Eck und sitzen mit unseren Freunden zusammen.“

So eine gut abgehangene Kölschkneipe gibt’s am Nordseestrand eben nicht, sowas gibt’s nur in Köln. Heribert, der uns von seiner Karriere als Amateurboxer in den 1950er und 60er Jahren erzählt, feiert hier seinen 85. Geburtstag. Zu den Gratulanten des Olympiateilnehmers von 1960 gehört die ehemalige Standesbeamtin Christine Hauser, die Agnes und Heribert 2012 verheiratet und seitdem mit dem Paar dicke befreundet ist. Zum engen Kreis zählt auch Hans Süper, kölsche Karnevals-Legende in Ruhestand.

Er ist einer von rund 100 Stammgästen im Thiebolds-Eck. Auf diese Schätzung jedenfalls kommt Wirtin Kata Kayzer, die die Kneipe seit 1999 gemeinsam mit ihrem Mann Stephan und einem fast ausschließlich weiblichen Küchen- und Thekenteam führt. „Mit unserem Personal haben wir immer Glück gehabt“, sagt sie.

Offensichtlich macht die gebürtige Kroatin, die seit 1968 in Köln heimisch ist, mit ihrer warmherzig-burschikosen Art eine Menge richtig. Selbst an diesem ganz und gar unspektakulären Montagmittag ist die Hütte gut gefüllt, die Außentische auf dem kleinen Platz vor der Kneipe sind voll besetzt. Die Gäste fühlen sich augenscheinlich sauwohl unter der Obhut Katas und ihrer aufmerksamen Service-Mädels.

Für die heimelige Atmosphäre sorgen neben dem eindrucksvollen Deckenschmuck mit bunten Sonnenstrahlen und dem branchenüblichen Holzmobiliar vor allem die zahllosen Devotionalien, die vorwiegend den Ersten Fußballclub Köln feiern, Fotografien voll lachender Gesichter, die Gäste und Personal in familiärem Einklang zeigen, und eine respektable Sammlung an Karnevalsorden. Überhaupt: der Fastelovend. „Wenn ich die Lieder höre, geht mir das Herz auf“, sagt Kata. „Ich bin schon ein paar Mal im Rosenmontagzug mitgelaufen. Im Karneval fühl ich mich zuhause.“

Was soll ich bloß ohne meine Leute?
Wirtin Kata Kayzer

Kata, die als junge Frau eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, kann nicht ohne ihre Besucher: „Manchmal, wenn nach einem anstrengenden Tag alles weh tut, frag ich mich schon, wozu ich mir das alles antue. Aber dann kommt schnell der Gedanke: Was soll ich bloß ohne meine Leute?“

Eben darin dürfte das Erfolgsgeheimnis des Thiebolds-Eck liegen: Hier darf sich jeder willkommen fühlen. Dafür braucht es zusätzlich zu den üblichen Effzeh- und Fußball-Übertragungen sowie der Musikmischung von Schlager- bis Rockmusik mit hohem Kölsch-Anteil weder ein spezielles Kulturprogramm, noch außergewöhnliche kulinarische Angebote. Die Küche bietet kölsch-kroatische, durchweg handfeste Speisen in üppigen Portionen zu fairen Preisen (Rievkooche mit Apfelmus und Schwarzbrot 6,50 €, 500-Gramm-Kotelett mit Bratkartoffeln und Salat 12,50 €). Die außen knusprige, innen fluffige Frikadelle (2 €) erfüllt absolut ihren Zweck als Kölsches Tapas für Zwischendurch. Das Reissdorf-Kölsch strömt für 1,50 € (0,2 Liter) aus dem Fässchen, das zuvor im Keller auf Betriebstemperatur gekühlt und unter tätiger Mithilfe der männlichen Gäste über eine Bodenklappe auf die Theke gehievt wird.

Mit solch klassischen Kneipen-Ingredienzen erreicht Kata ein breites Publikum. Ein Großteil der Gäste an diesem Montagmittag dürfte das Rentenalter überschritten haben, aber ein paar jüngere Besucher finden sich doch im Getümmel. „Aus den Läden in der Zülpicher Straße gehste rückwärts wieder raus“, sagen Amber und Tiffany, beide 31 Jahre alt, die eigentlich Maike Creuzberg und Lena Riske heißen. Sie haben sich hier mit Kumpel Gottfried Böllsterling  zum Wies’n-Ausklang verabredet – das Trio Infernale war am Wochenende gemeinsam in München unterwegs. „Wir haben das Thiebolds-Eck vor vier Jahren im Karneval für uns entdeckt“, erzählt Maike. Warum kommen sie immer wieder? „Das ist wie eine Familie hier“, sagt Maike, und überrascht mit einer echten Insider-Info: „Das Kölsch hier ist 2 Grad kühler als anderswo.“

Corona-Hinweis

Die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus hat großen Einfluss auf die Öffnungszeiten der Kölner Gastronomie - auch vorübergehende Schließungen sind möglich. Bitte informiere Dich vor Deinem Besuch, ob das Lokal geöffnet ist und welche Vorsichtsmaßnahmen Du einhalten musst.

Text: Sebastian Züger

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