Urige Kneipe in Köln-Buchheim
Foto: Thilo Schmülgen

„Herler Eck“ – Eckkneipe wie aus dem Lehrbuch

In dieser Rubrik findest Du Gastro-Tipps aus Deinem Veedel. Diesmal in unserem Kneipen-Special: Das „Herler Eck“ in Köln-Buchheim, das seinem Namen schon äußerlich alle Ehre macht. Eine Eckkneipe wie aus dem Lehrbuch. Doch das wäre nichts wert ohne eine Wirtin, die ihr Herz am rechten Fleck hat.

Adresse

Herler Straße 53, 51067 Köln-Buchheim

Öffnungszeiten

Mo–So 10:00–01:00 Uhr, kein Ruhetag

Kölsch

Gaffel vom Fass, 1,30 EUR

Besonderheit

Wirtin Kazimiera-Teresa Szarata

Manche Sprichwörter sind, pardon, einfach bescheuert. „Wer nichts wird, wird Wirt“ ist so eins. Dabei stimmt genau das Gegenteil: Wer nichts wird, wird bestimmt kein Wirt. Zumindest kein guter. Man muss es mögen, täglich hinter dem Tresen zu stehen, immer alle zu bedienen und bei Laune zu halten, auch wenn man selbst vielleicht einen schlechten Tag hat. Ein guter Wirt ist eine vollendete Mixtur aus Eigenschaften, die teils angeboren, teils Erziehung, vor allem aber Resultat ausgeprägter Lebenserfahrung sind. Lebenserfahrung, wie sie ganz offensichtlich Teresa hat.

„Gelernt habe ich Verkäuferin“, erzählt Kazimiera-Teresa Szarata, so ihr vollständiger Name, „damals noch in Polen.“ 1987 kam sie nach Deutschland, wie so viele Landsleute ihres Alters. „Wir sind in den 1980er Jahren weggegangen und kaum einer ist zurückgekehrt. Da ist Polen eine ganze Generation verloren gegangen.“

In Deutschland machte sie den berühmt-berüchtigten Frikadellenkurs, der für Jahrzehnte als Qualifikation fürs Gastgewerbe genügte, und wurde rasch zur guten Seele im Herler Eck. 2004 bezog sie die Wirtswohnung und übernahm den Laden ganz. Und das soll bis mindestens 2025 so bleiben. Und danach? „Man weiß es nicht“, sagt sie.

„Man weiß es nicht“, sagen auch Inge und Robert, Stammgäste seit vielen Jahren. Aber eins ist klar: „Solange Teresa aufmacht, kommen wir hierher!“ Ein größeres Kompliment können beide der Wirtin gar nicht machen. Inge gehört seit Beginn der 1990er zum Inventar, Robert sogar noch satte 30 Jahre länger. „1961 war ich zum ersten Mal im Eck!“

Die lange Verbundenheit bedeutet allerdings nicht, dass sie alle Wechsel hinter dem Zapfhahn willenlos hinnehmen. Der jung gebliebene Renter Robert etwa, der schon als Mittzwanziger in die Nachbarschaft zog, nahm sich immer wieder Auszeiten vom Eck, wenn ihm die Wirte nicht gefielen. „Früher war das einfach, da gab’s viel mehr Kneipen in Buchheim: das Ahl Wip, den Fuchsbau oder den Schötzke, wo du um Mitternacht noch ein Hähnchen kriegtest.“

Teresa kümmert sich um die Leute. Deshalb kommen sie wieder.
Stammgast Robert

Das Herler Eck hat überlebt. „Weil wir da sind!“, sagt Inge. „Weil die Leute ja irgendwo hingehen müssen“, sagt die Wirtin. „Weil Teresa so sozial eingestellt ist“, sagt Robert. Ruhetage gibt es nicht, aber Sekt und Kuchen zu Muttertag, Büffet an Heilig Abend und manchmal Borschtsch für alle. Auch für eine ganze Fußballmannschaft, wenn es sein muss, zum Beispiel die von Germania Mülheim, bevor es zum Auswärtsspiel geht. „Teresa kümmert sich um die Leute“, sagt Robert. „Deshalb kommen sie wieder.“

Robert schätzt: „Knapp 30 oder 40 Stammgäste gibt es. Ich hab’ hier einen großen Freundeskreis. Und wenn der Effzeh spielt, ist die Bude voll.“ Im Herler Eck lohnt sich das Sky-Abo noch.

Wie vielen Knobelbechern hat die Theke schon Stand gehalten? Wie viele Partien der Billardtisch gesehen? Wie viele Mitglieder zählt der Sparverein? Letztere Frage lässt sich immerhin beantworten: 49 Personen. Auszahlung zur Weihnachtsfeier, dem einzigen Tag im Jahr, an dem das Herler Eck eine geschlossene Gesellschaft ist. An allen anderen Tagen im Jahr ist Teresa, die Wirtin für alle da.

Corona-Hinweis

Die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus hat großen Einfluss auf die Öffnungszeiten der Kölner Gastronomie - auch vorübergehende Schließungen sind möglich. Bitte informiere Dich vor Deinem Besuch, ob das Lokal geöffnet ist und welche Vorsichtsmaßnahmen Du einhalten musst.

Text: Sebastian Züger

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