Urige Kneipe in Köln-Deutz
Foto: Patrick Essex

„Haus Zeyen“ – Deutzer geht's nicht

In dieser Rubrik findest Du Gastro-Tipps aus Deinem Veedel. Diesmal in unserem Kneipen-Special: Das „Haus Zeyen“ in Köln-Deutz , das zur Gattung der „Kneipenrestaurants“ gehört und damit zu einer aussterbenden Art in der Kölschen Gastro-Landschaft. Warum eigentlich?

Adresse

Neuhöfferstraße 27-29, 50679 Köln-Deutz

Öffnungszeiten

Di–Sa 16:30–00:00 Uhr, So 16:30–23:00 Uhr

Kölsch

Sion vom Fass, 1,60 EUR

Besonderheit

Immer Wirsing auf der Speisekarte

„Ich bin immer hierher gegangen”, sagt Peter Nießing. Und „immer” heißt bei ihm tatsächlich: immer. Als achtjähriger Panz war er zum ersten Mal Gast im „Haus Zeyen”. Nießing kann sich noch genau daran erinnern. „Acht Jahre war ich damals alt. Meine Eltern waren mit den Wirtsleuten befreundet.” 1954 war das, und jetzt – rund 65 Jahre später – sitzt der ehemalige Ansager und Nachrichtensprecher des Westdeutschen Rundfunks wie ehedem regelmäßig auf ein Kölsch oder zwei an der kleinen Theke neben der doppelflügeligen Eingangstür. Weil’s praktisch ist („Ich wohne direkt gegenüber”), aus alter Verbundenheit und weil er hier viele bekannte Gesichter trifft. Und überhaupt, weil „Tradition ja schon manchmal auch ein bisschen gut ist”.

Nießing ist nicht nur einer der treuesten Gäste des „Haus Zeyen”, er muss auch einer der ersten gewesen sein. 1954 lud im Ecklokal in der Neuhöfferstraße erstmals ein Wirt zu Kölsch und deftiger Kneipenkost – damals auch noch mit anhängendem Hotelbetrieb in den Stockwerken darüber, der mit einem Betreiberwechsel Anfang der 70er Jahre (von Fahlenbock zu Pabst) eingestellt wurde. Ab 1986 führte die Familie Zeyen, deren Name bis heute über dem Eingang prangt, die Geschäfte. Die seit 2011 amtierende Wirtin Bettina Krupp, die schon seit 1996 mit anpackte, ist erst die vierte Chefin des Hauses.

Nach einer kleiner Krise in den 2000er Jahren brummt der Laden unter Krupp’scher Führung gegenwärtig wieder. „Wir sind eine der letzten echten Veedelskneipen hier in Deutz”, sagt die Chefin. „Hier trifft sich wirklich alles – von 25 bis 85. Kölner und Auswärtige, Stammgäste und Gelegenheitsbesucher, Koelnarena-Besucher und Messevolk.” Warum das so ist? Sie zuckt die Schultern. „Das muss ein bisschen auch an uns liegen”, vermutet sie. „Wir wissen, dass man das Publikum auch mal bei Laune halten muss, zum Beispiel mit ein paar frechen Sprüchen.” Dafür ist sie selbst zuständig – und Fränkie, der Köbes. „Die Leute, die wiederkommen, tun das vor allem wegen dem persönlichen Kontakt.” Das Talent, fremde Gesichter schnell zu bekannten zu machen, braucht ein guter Wirt. Bettina Krupp hat es.

Eine weitere wichtige Zutat für den Publikumserfolg ist eine gleichermaßen traditionelle wie ungewöhnliche Zutat: Wirsing. Das klassisch deutsche Kohlgewächs steht im Haus Zeyen das ganze Jahr hindurch auf der Karte – auch im Sommer. Bettina: „Als wir’s einmal von der Tafel geputzt hatten, gab’s richtig Geschrei.” Deshalb bleibt der Wirsing drauf, genau wie alle andere bewährten Angebote. „Ich hab’ seit 20 Jahren nichts an der Speisekarte geändert. Höchstens Saisonales addiert und ab und zu mal was eigenes.” Für die Qualität am Herd garantiert Bettinas Ehemann Peter, der das Kochhandwerk im Gürzenich gelernt hat. Sie weiß: „Mit dem Koch steht und fällt das Geschäft.”

Ich hab’ hier ein Wohnzimmer draus gemacht – wie bei Oma.
Bettina Krupp

Solche Verlässlichkeit ist es, die für Bettina Krupp ein Kneipenrestaurant ausmacht: „Viele Lokale dieser Art haben Probleme, weil sie nicht richtig geführt werden. Sowas wie Crossover-Küche funktioniert nicht in so einem Umfeld.” Und auch jenseits des Essens steht das Publikum – und keineswegs nur jenes im Rentenalter – eher auf bewährte Urigkeit denn auf hippe Trends: „Die Leute suchen bei uns nichts Modernes. Ich habe hier ein Wohnzimmer draus gemacht – wie bei Oma.” Sie zeigt auf die mit dunklem Holz abgehangene Decke und muss schmunzeln: „Die ist ja eigentlich richtig hässlich – aber wunderschön.”

Den Geschmack des Publikums zu bedienen, ohne beliebig zu werden – das ist wohl das Erfolgsgeheimnis von Bettina Krupp. Nachdem sie sich in den 1980er Jahren zunächst als Friseurin versucht hatte, entdeckte sie beim Jobben im Bonner „Steigenberger Hotel” ihr gastronomisches Talent – und machte eine Lehre zur Restaurant-Fachfrau draus. Dass sie eines Tages das Haus Zeyen übernehmen sollte, war für sie nur konsequent: „Ich wollte das schon, als ich 1996 hier angefangen habe.”

Ans Aufhören denkt Bettina Krupp noch lange nicht. „Wir verlängern jetzt erstmal für zehn Jahre.” Die Visionen für die nahe Zukunft ist angemessen bescheiden. Eine einfache Außengastro auf dem Bürgersteig gibt es seit Kurzem schon. Außerdem stehen „neue Fenster, die mehr Licht reinlassen” auf dem Wunschzettel und eine Erneuerung der Hauselektrik. Vor allem aber: „Dass es so weitergeht, wie es jetzt ist.”

An Dieter Hammer, Stammgast seit 40 Jahren, soll es nicht scheitern. Die Arbeit der aktuellen Betreiber kann er gar nicht genug loben: „Die Tina hat das hier wieder richtig gut hochgepäppelt!” sagt der Verlagsmitarbeiter des Kölner Stadt-Anzeigers. Auch er war zwischenzeitlich mal weg, als es nicht so gut lief. Aber seit die Krupps den Laden schmeißen, „gehöre ich hier wieder zum Inventar”.

„Das kleine Steakhaus mit gemütlicher Kneipenatmosphäre”: So lautet der Werbeslogan, den sich die Macher des Haus Zeyen gegeben haben.  So ein familiäres Kneipenrestaurant mit gutbürgerlichem Angebot, großen Portionen und frischem Kölsch bei akzeptablen Preisen (Hauptgerichte zwischen 10,50 und 26,90 Euro) täte noch manch anderem Veedel besser als der x-te Burgerladen.

Corona-Hinweis

Die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus hat großen Einfluss auf die Öffnungszeiten der Kölner Gastronomie - auch vorübergehende Schließungen sind möglich. Bitte informiere Dich vor Deinem Besuch, ob das Lokal geöffnet ist und welche Vorsichtsmaßnahmen Du einhalten musst.

Text: Sebastian Züger

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