Urige Kneipe in Köln-Buchforst
Foto: Patrick Essex

„En d'r Hött“ – zu Besuch bei der Familie Buchforst

In dieser Rubrik findest Du Gastro-Tipps aus Deinem Veedel. Diesmal in unserem Kneipen-Special: „En d'r Hött“ in Köln-Buchforst. Sie ist das, was man eine klassische Eckkneipe nennt. Die Wirtin Wally Bage schmeißt den Laden zusammen mit ihrem Mann Bodo schon in zweiter Generation. Mindestens!

Adresse

Waldecker Str. 27, 51065 Köln-Buchforst

Öffnungszeiten

Mo, Di, Do ab 17:00 Uhr, Mi 9:00–13:00 Uhr und ab 16:00 Uhr, Fr ab 15:00 Uhr sowie Sa ab 9:00 Uhr

Kölsch

Reissdorf vom Fass, 1,30 EUR

Besonderheit

Karneval ist hier die beste Zeit des Jahres

Kaum „En d’r Hött“, schon mittendrin in einer Familienfeier. Das ist hier ganz normal. Seit einer gefühlten Ewigkeit, seit immer eigentlich, mindestens aber seit zwei Generationen gehören die Bages zu dieser Kneipe und diese Kneipe zu den Bages. Und das auch schon lange bevor Wallys Eltern den Laden übernahmen. Das war 1990, und seitdem ist – von einer kleinen Unterbrechung abgesehen – kaum ein Tag vergangen, in dem kein Bage in der Hütte war.

Während Wally Kölsch zapft, um die Dart-Spieler bei Laune zu halten, klönt die Famillich gemödlich an der Thek’. Ayla (9) wuselt vorlaut um die Barhocker, auf denen Mama Sandra (Wallys Tochter), Tante Cornelia (Wallys jüngste Schwester) und ihr Ehemann Frank Platz genommen haben, um über den bevorstehenden Ausflug an die Nordsee zu schnacken. Damit ist die Familie aber noch lange nicht komplett. „Ich bin mit vier Schwestern und einem Bruder aufgewachsen“, erzählt Wally. „1965 sind wir nach Buchforst gezogen. Bis heute wohnt ein Großteil von uns hier im Veedel.“

Wer en d’r Hött kein Bage ist, ist zumindest ein Buchforster da. Wally sieht sich um: „Ich kenn’ die meisten schon seit Jahrzehnten.“ Bereits im Alter von 18 Jahren hat sie hier gearbeitet, Anfang der Achtziger Jahre ihren Polterabend mit ihrem Mann Bodo hier gefeiert. „So wie demnächst auch meine Neffen!“, sagt sie stolz.

Seit 2009 hat sie jetzt das Sagen in der Hütte, die Mitte der Fünfziger Jahre aus ein paar Mauerresten entstand. Erst später folgte der Aufbau mit mehreren Mietswohnungen. Manfred, der dem Treiben vom anderen Ende der Theke aus gelassen zusieht, kann sich noch erinnern. „Ich war damals ein junger Mann, hab bei Klöckner-Humboldt-Deutz gearbeitet“, erzählt der gebürtige Buchforster. „Seitdem hat sich viel verändert.“ Der Supermarkt heißt nicht mehr „Konsum“, Buchforst erhielt Anschluss an die Zoobrücke und von den einst 13 Kölschkneipen im Stadtteil ist kaum noch eine übrig.

Karneval ist die beste Zeit des Jahres.
Wirtin Wally Bage

Den klassischen Industriearbeiter, der nach der Schicht auf ein Feierabend-Kölsch in die Kneipe kommt, gibt’s bald nur noch im Museum. Die Bewohnerschaft des einstigen Arbeiterstadtteils setzt sich heute aus vielen Nationalitäten zusammen. „Man muss sich immer wieder was einfallen lassen, um sein Publikum zu finden“, sagt Wally. „Wir machen zum Beispiel einen Countryabend, feiern Sommerfest, haben die Außengastro ausgebaut. Und Karneval natürlich – das ist hier die beste Zeit des Jahres.“

Als sie die Hött vom Vorpächter übernahm, der 2005 die Eltern abgelöst hatte, war von deren Vermächtnis kaum noch etwas übrig. Der Betreiber war zwangsgeräumt worden, die Bages machten sich ans Ausmisten. „Hier sah es aus wie in einem Puff“, erinnert sich Wally, die zwischenzeitlich mit ihrer Schwester in der Offenen Ganztagsschule gearbeitet hatte. „Nur die Theke war noch da.“ Und ist es bis heute.

Die Wände hängen voll mit Erinnerungen aus mehreren Jahrzehnten, Urlaubsnippes von der Nordsee, Hunnenhorden im Fastelovend. Die Eltern lachen in die Kamera, Wally und Cornelia als junge Mädchen, Theken-Teams, die längst nicht mehr kicken. „Das war alles noch zur Zeit meiner Eltern, das war schön“, sagt Wally. Sie hofft darauf, dass die Jungen nachwachsen und die Kneipe weitertragen. „Ein bisschen was tut sich“, sagt sie. „Wir haben neue Stammgäste, die aus Kalk rüberkommen. Die lieben meine Frikadellen.“ Noch so eine Hött-Legende: Das Rezept hat der Vater ausbaldowert, ein leidenschaftlicher Koch. „Die Leute kamen bis aus Nippes nur wegen der Frikadellen.“

Kurt – kein Bage, aber Buchforster – kennt die Geschichten alle und hört sie sich immer wieder gerne an. Er stellt seine leere Kölschstange ab und klemmt sich eine Kippe hinters Ohr. „Jut is. Ich muss noh Hus zu den Katzen.“ Bodo, der Wally hinter der Theke abgelöst hat, schaut auf die Uhr. „Ich mach auch gleich zu. Toter Dienstag.“ Da geht die Tür auf. Ein knappes Dutzend Feierwilliger stürmt herein. Bodo rappelt sich auf, stellt den Schlager lauter, zapft einen Kranz. Und plötzlich ist der Dienstag gar nicht mehr so tot.

Corona-Hinweis

Die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus hat großen Einfluss auf die Öffnungszeiten der Kölner Gastronomie - auch vorübergehende Schließungen sind möglich. Bitte informiere Dich vor Deinem Besuch, ob das Lokal geöffnet ist und welche Vorsichtsmaßnahmen Du einhalten musst.

Text: Sebastian Züger

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