29 Sorten Eis in der Eisdiele „Panciera“ in Brück
Foto: Klaudius Dziuk

Eis von „Panciera“ – handgemacht wie in den Dolomiten

In dieser Rubrik findest Du Gastro-Tipps aus Deinem Veedel. Dieses Mal haben wir Daniele Moscetti und Carina Pfahl in der Eisdiele „Panciera“ in Brück über die Schulter geschaut.

Adresse

Olpener Str. 894, 51109 Köln

Öffnungszeiten

Do–Do 12:00–20:00 Uhr, im Hochsommer bis 21:00 Uhr

Besonderheit

Seit 50 Jahren gibt es hier Eis nach dolomitischer Familientradition

Weitere Informationen

Mehr Infos gibt es auf Facebook und auf Instagram

Nur wenige Schritte sind es vom grünen Ufer des Flehbachs zur Olpener Straße in Brück. Dort sieht man an warmen Tagen in Höhe der Hausnummer 894 schon mal eine Schlange, die mehrere Häuser weit zurückreicht: Hier betreibt Daniele Moscetti in dritter Generation die Eisdiele „Panciera“. Im kleinen Verkaufsraum gibt es keine Sitzgelegenheiten, das Eis wird ausschließlich zum Mitnehmen verkauft. Den Kunden macht das nichts aus: Die Eisdiele ist ein beliebtes Ausflugsziel. „Die Auswahl ist einfach genial, das Eis ist sehr lecker und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt“, lobt Kundin Martina Kreitlow, die extra aus Buchheim angeradelt kommt. In ihrer Eiswaffel sind heute zwei der modernen Sorten: Limette-Basilikum und Buttermilch-Holunder. „Aber die anderen Sorten sind auch sehr lecker!“, meint sie.

Auch Martin (41) ist ein treuer Kunde. „Ich kenne die Eisdiele schon seit meiner Kindheit. Damals kamen wir von Ostheim hierher, um Eis zu kaufen, und heute komme ich auch noch gern“, erzählt er, während er darauf wartet, mit seiner Bestellung an die Reihe zu kommen: „Der Geschmack ist einfach sehr gut. Mir gefällt, dass es hausgemachtes Eis ist und dass es so viele Sorten gibt. Am besten schmeckt mir Crema Siciliana.“

Neben dem Eisverkauf werden ein paar freundliche Worte gewechselt. So kennt es Daniele Moscetti von seinem Vater, der über die Jahrzehnte hinweg vielen Brückern gut bekannt geworden war: „Für ihn waren die Kunden Freunde.“ Diese Tradition einer persönlichen Atmosphäre setzt der Sohn nun fort, die Kunden sind ihm wichtig. Das ist auch der Grund dafür, dass er – unabhängig von schwankenden Einkaufspreisen – an seinem Verkaufspreis von 1,10 Euro pro Kugel festhält: „Manche kommen täglich, und die sollen sich ihr Eis ja auch leisten können.“

29 Sorten – täglich frisch nach Familienrezept

Crema Siciliana, mit diesem Favoriten ist Eiskunde Martin nicht alleine: Sie ist ein Verkaufsschlager bei „Panciera“. „Ich verwende dafür Ricotta und eine besondere Pistaziencreme“, verrät Daniele Moscetti. Mehr darf aber nicht bekannt werden – schließlich sind die Rezepte ein gut gehüteter Familienschatz. Nicht zuletzt deswegen übernimmt er die tägliche Eisproduktion selbst. Jeden Morgen steht er zwischen 7 und 8 Uhr in der kleinen Küche hinter dem Verkaufsraum, die man allerdings bei einer Gelateria nicht Küche nennt, sondern „Eislabor“. Und hier wird nicht etwa auf Vorrat produziert, garantiert der Inhaber: „Ich mache jeden Morgen so viel, wie wir für den Tag brauchen. Frisches Eis ist cremiger.“

Mit Mischungen zu arbeiten, die von Großfirmen vorproduziert werden und zum Teil nur noch mit Wasser angerührt werden müssen, das käme für Daniele Moscetti überhaupt nicht in Frage. Im hausgemachten Eis der Eisdiele „Panciera“ sind Milch und Eier, die der Eisspezialist selbst pasteurisiert, außerdem Zucker, der in einer hüfthohen Tonne in der Mitte des Labors steht, und viele spezielle Zutaten, die charakteristisch für die einzelnen Sorten sind – von Kakao über Erdbeersoße bis hin zu Amarenakirschen. Für die besondere Note seiner Produktionen gibt es eine Erklärung: „Wir verwenden keine Sahne im Eis, weil es dadurch fettig wird. Mein Vater hat immer gesagt: Wenn jemand ein Eis gegessen hat, muss er noch Lust haben auf ein weiteres und soll sich nicht voll fühlen“, erklärt Daniele die Philosophie seiner Familie.

Sobald eine Sorte fertig ist, muss sie mit dem Spatel in die Eisbehälter gefüllt werden, die tagsüber vorne im Laden in der Theke stehen. Das ist, weil in der Eisdiele „Panciera“ neben einer automatischen Maschine auch noch eine traditionelle Eismaschine verwendet wird, ein echter Knochenjob: Während der Quirl in Bewegung bleibt und der Zuber, in dem sich das Eis befindet, weiter rotiert, muss Daniele mit einem Spatel von etwa 1,50 Meter Länge dagegen halten, um das Eis herauszuheben und es in Edelstahlformen zu geben.

Genau 29 Sorten gibt es, und das hat einen Grund: „Wir haben in der Theke 30 Plätze, und Vanille ist doppelt, weil sie die Basis für viele Eisbecher ist“, sagt Carina Pfahl. Sie ist die Lebensgefährtin von Daniele Moscetti und hat ihren Beruf als Lehrerin an den Nagel gehängt, um ihm in der Eisdiele zur Seite zu stehen. Auch für sie sind die Tage hier lang. Sie kommt jeden Morgen um halb zehn und richtet her, was zusätzlich zum Eis gebraucht wird: Becher, Waffeln, Streusel.

Von zwölf bis acht ist der Verkauf geöffnet, im Hochsommer sogar bis neun Uhr. Unterstützt werden Daniele und Carina von fünf Aushilfen, aber die bleiben jeweils nur kurz: „Wir haben Drei-Stunden-Schichten, weil es anders gar nicht zu schaffen ist“, sagt Carina. Schöne Eiskugeln zu formen, das geht nämlich in die Arme.

Die Geschichte hinter der Eisdiele „Panciera“

Gegründet wurde die Eisdiele vor über 50 Jahren von Attilio Panciera, dem Großvater des heutigen Inhabers. „Er stammte aus einem Dorf in den Dolomiten. Dort hat man diese spezielle Art von Eis schon vor hundert Jahren gemacht“, berichtet Daniele Moscetti: In den Dolomiten hatte man nämlich den Vorteil, dass es natürliches Eis gab, mit dem die cremige Köstlichkeit gekühlt werden konnte. Dadurch waren andere Rezepturen möglich als im mittleren und südlichen Italien.

Daniele weiß, wovon er spricht, denn er ist im mittelitalienischen Gubbio aufgewachsen. „Das ist die Heimat meines Vaters“, verrät er und erklärt die Familiengeschichte: Franco Moscetti kam aus Gubbio nach Köln, wo er in der Eisdiele „Panciera“ Arbeit fand. Er heiratete Manuela, eine der Töchter des Chefs. Das junge Paar entschied, dass sie ihre Kinder in der Heimat der Familie erziehen wollten. So verbrachte Manuela mit den Kindern den Großteil des Jahres in Gubbio. Während der Sommerferien wurde Köln dann regelmäßig das zweite Zuhause der Kinder. Neben der Eisdiele in Brück gibt es ein zweites in Dellbrück, das heute Danieles Bruder betreibt.

Beide hatten eigentlich nie daran gedacht, in die Fußstapfen des Vaters zu steigen. Daniele hat Wirtschaft studiert, sein Bruder Psychologie. Doch durch eine Erkrankung des Vaters wurde plötzlich die Hilfe der beiden jungen Akademiker in den Eisdielen gebraucht. „Der Familie muss man helfen, also kam ich hierher. Und dann gefiel es mir. Etwas mit den Händen zu machen, das ist toll. Wenn die Leute mir sagen, dass es gut geworden ist, dann bin ich sehr zufrieden.“ Vor drei Jahren übernahm er die Eisdiele ganz. Das war auch die Zeit, als Carina in sein Leben getreten ist. „Wie viel Stress er sich gemacht haben muss, um sich nach der Arbeit abends noch mit mir treffen zu können, das ist mir erst klar, seitdem ich selbst hier arbeite“, sagt sie. Zwei Jahre habe sie selbst gebraucht, bis sie sich in der Eisdiele wirklich fit fühlte: „Es gibt so viele Kleinigkeiten, die man bedenken muss!“

Ein wenig Luft können die beiden am Mittwoch holen, denn da ist in der Eisdiele Ruhetag. Arbeit fällt hinter den Kulissen aber trotzdem auch dann noch genug an: zum Beispiel Großeinkäufe, Administration und andere Aufgaben. Da Daniele und Carina die Eisdiele im Wesentlichen allein führen, brauchen sie diesen zeitlichen Puffer.

In freien Stunden geht das junge Paar manchmal in Brück spazieren, wo beide sich wohlfühlen. „Die Leute hier sind freundlich. Alle paar Meter begrüßt uns jemand. Wenn Kinder uns sehen, sind sie begeistert: Für die sind wir Eis“, lacht Daniele.

Text: Johanna Tüntsch

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