Außenansicht der Kleiderei in Ehrenfeld an der Venloer Straße
Foto: Costa Belibasakis

Kleiderei – Deine Fashion-Bibliothek

In dieser Rubrik stellen wir Dir besondere Geschäfte vor. Diesmal besuchen wir GAG-Mieterin Lena Schröder in der Kleiderei in Köln-Ehrenfeld.

Adresse

Venloer Straße 459, 50825 Köln

Öffnungszeiten

Mi–Sa: 12:00–19:00 Uhr

Besonderheit

Mode zum Leihen, nicht nur zum Kaufen – so soll Kleidung ein längeres Leben geschenkt und Fast Fashion ausgebremst werden

Weitere Informationen

Hier geht es zur Website der Kleiderei

Von modern bis vintage, von Fair Fashion bis Second Hand: In der Kleiderei auf der Venloer Straße ist für jeden Geschmack etwas dabei. Hier treffen wir Inhaberin Lena Schröder, die der Fast-Fashion-Industrie den Kampf angesagt hat. Die Kleiderei mag zwar auf den ersten Blick wie ein klassisches Modegeschäft wirken – unter dem Motto „Stil hast Du, Kleider leihst Du“ findet sich hier jedoch ein ganz besonderes Konzept. „Wir sind quasi eine Bibliothek für Kleidung“, erklärt Lena.

Und so funktioniert es: Für eine monatliche Gebühr von 29 € kannst Du Dir vier Teile ausleihen – und so oft wie Du möchtest austauschen. „Als Mitglied kannst Du unser Geschäft als eine Art ausgelagerten Kleiderschrank betrachten“, sagt Lena. „Wir möchten die perfekte Ergänzung zu Deiner heimischen Kommode sein, sodass Du viel weniger kaufen musst.“

Falls Dir ein Kleidungsstück mal ganz besonders ans Herz wächst, kannst Du es natürlich auch käuflich erwerben. Das gilt auch für Kund:innen, die die Kleidungs-Flatrate nicht in Anspruch nehmen. „Alle können bei uns einkaufen. Als Mitglied bekommt man beim Kauf allerdings 20 Prozent Rabatt obendrauf“, erklärt Lena. „Uns ist sehr wichtig, dass die Leute nur noch das kaufen, worin sie sich wohlfühlen und was sie auch wirklich lange tragen.“

Doch was passiert, wenn die Kleidungsstücke nach dem Tragen kaputt gehen, die Hose beispielsweise einen Riss bekommen hat? „In sechs Jahren sind maximal zehn bis zwanzig Stücke mal wirklich kaputt gegangen“, erzählt Lena. „Lockere Knöpfe etc. reparieren wir dann einfach selbst. Falls die Schäden größer sind, lassen wir die Kleidung ausbessern und teilen uns die Kosten mit den Kundinnen und Kunden.“

Dass wirklich große Schäden entstehen, sei jedoch die absolute Ausnahme – und sollte auch gar nicht abschrecken. „Am Ende ist Kleidung immer noch ein Gebrauchsgegenstand. Wir versuchen zwar, sie so lange wie möglich im Kreislauf zu lassen, doch irgendwann sehen die Teile natürlich nicht mehr aus wie vorher“, sagt Lena. „Wir wollen, dass sich unsere Kundinnen und Kunden in der Kleidung wohlfühlen, ohne Angst zu haben, etwas kaputt oder dreckig zu machen. Am Ende sind wir eine Gemeinschaft, die sich Kleidung teilt – deshalb gehen wir alle respektvoll mit den Sachen um.“

Engagement über die Kleiderstangen hinaus

Fast Fashion ausbremsen und übermäßigen, verschwenderischen Kleiderkonsum stoppen – dieses Ziel hat sich die Kleiderei auf die Fahne geschrieben. Dementsprechend bestellen Lena und ihr vierköpfiges Team keine neuen Kollektionen für ihren Store. „Wir arbeiten mit Kleidung, die auf dem konventionellen Weg nicht mehr zu den Leuten findet – beispielsweise Samples“, erklärt Lena. Dabei handelt es sich um Muster- oder Einzelstücke einer Kollektion, die sonst nicht mehr frei verkäuflich sind. „Außerdem arbeiten wir viel mit Fair Fashion und Kölner Labels zusammen.“

 

Interessante Infos, Tipps und Diskussionen rund um die Themen Mode, Nachhaltigkeit und Slow Fashion kannst Du Dir auch im Kleiderei-Radio anhören.

Das Engagement geht jedoch weit über die Kleiderstangen hinaus: In und um die Kleiderei finden regelmäßig Events statt, bei denen das Team

  • über die Abgründe der Modeindustrie aufklärt,
  • Tipps zur richtigen Pflege und Reparatur von Kleidung gibt sowie
  • Workshops rund um nachhaltige Mode anbietet.

Die SWAP IT!-Kleidertausch-Events bieten zudem eine wunderbare Möglichkeit, um den eigenen Kleiderschrank auszumisten: Einfach ein altes Teil mitbringen und vor Ort gegen ein neues Lieblingsstück tauschen. „Der Kleidertausch ist auch für uns eine gute Gelegenheit, um Kleidungsstücken, die nie ausgeliehen werden, ein neues Zuhause zu geben“, sagt Lena.

Doch auch Mode, die keine neue Heimat findet, ist Dank der Kleiderei nicht verloren. „Kleidung, die noch gut tragbar ist, aber einfach nicht mehr ausgeliehen oder gekauft wird, geben wir beispielsweise an die Deutsche Kleiderstiftung. Die Organisation arbeitet transparent in europaweiten humanitären Projekten.“ Wer Kleidung gerne spenden und sicher sein möchte, dass sie an der richtigen Stelle ankommt, kann die Kleiderspende gerne direkt bei der Annahmestelle der Kleiderei abgeben.

Lieblingsstücke, die trotz aller Pflege und Sorgfalt einmal ihr Ende finden, bekommen ebenfalls ein neues Leben. Teile, die nicht mehr zu retten sind, gehen dann zum Recycling – beispielsweise an die AWB.

Für alle News und Informationen zu Events kannst du den Kleiderei-Newsletter auf ihrer Website abonnieren. Oder du schaust bei der Kleiderei auf Instagram oder Facebook vorbei!

Die Geschichte hinter der Kleiderei

2005 verschlug es Lena aufgrund eines Praktikums bei einem Modemagazin nach Köln. „Ich habe hier so viele offene und herzliche Menschen kennengelernt, dass ich mich hier verwurzelt habe“, erinnert sie sich. In Ehrenfeld richtete sie sich daraufhin ein Atelier für ihr Modelabel ein. „Ursprünglich war es gar nicht mein Ziel, Mode zu verleihen. In meinem Modedesign-Studium habe ich allerdings schon gemerkt, dass in der Textilindustrie etwas schiefläuft. Das wollte ich nicht unterstützen – und habe mein eigenes Upcycling-Label gegründet”, erzählt Lena.

Die erste Idee zum Mode-Verleih-Prinzip habe ihre erste Praktikantin gehabt, die das Konzept zunächst online in Hamburg umsetzte. „Mir hat die Idee damals so gut gefallen, dass ich sie unbedingt in Köln ausprobieren wollte.“ Im Mai 2016 eröffnete Lena daraufhin den ersten Offline-Store in ihrem ehemaligen Atelier in Köln-Ehrenfeld.

Zu Beginn wurde das erste deutsche Fashion-Sharing-Modell jedoch nur zögerlich angenommen, erinnert sich Lena. „Als wir 2016 gestartet haben, waren die Leute noch recht verhalten und haben lange gebraucht, um das neue Konzept anzunehmen. In den letzten zwei Jahren hat sich das Mindset der Menschen – trotz Pandemie – sehr positiv verändert. Heute sind alle viel offener und die Nachfrage viel größer.“

Seither arbeiten Lena und ihr Team immer weiter an der Optimierung und Weiterentwicklung des Verleihs. Mittlerweile haben zwei weitere Stores eröffnet: einer in Berlin, einer in Freiburg. Wenn es nach Lena geht, ist hier aber noch lange nicht Schluss. „Mein Traum ist es, dass es bald in jeder Stadt eine Kleiderei gibt, bei der man Mode leihen kann. Wir möchten gerne ein Franchise aufbauen, damit jeder möglichst schnell und einfach seinen eigenen Store an den Start bringen kann.“

Wenn Du Spaß an Mode hast, neue Looks ausprobieren oder etwas über die Hintergründe der Textilindustrie erfahren möchtest – dann solltest Du der Kleiderei in Ehrenfeld unbedingt einen Besuch abstatten.

Text: Maren Selbst